Willkommen im Weblog geloggd von Alexander Filipovic! Sie lesen ein Weblog, das vornehmlich zu wissenschaftlichen Zwecken geführt wird. Über Kommentare und Rückmeldungen freue ich mich sehr.

Absturz und Reboot-Probleme meines HTC Desire

Seit gut eineinhalb Jahren besitze ich das Smartphone HTC Desire. Ich mag das kleine Format, den Bildschirm und die Ausstattung. Alles in allem damals eine gute Investition. Aber: Seit gut einem halben Jahr macht es Probleme: Es fährt plötzlich runter (stürzt ab) und hat Schwierigkeiten beim erneuten Starten (Reboot-Schleife). Bislang trat das nur selten auf, mittlerweile ist das Ding nicht mehr zu gebrauchen. Was tun? Bei O2 (oder wie Oma sagt: „Nullzwei“) vorbeigehen und reklamieren, oder sich an HTC wenden? Ich habe erstmal eine E-Mail an den HTC-Support geschrieben. Mal sehen, was passiert. Und ich hoffe, es passiert was – darum auch dieses Posting… Immerhin war das Phone damals so teuer, dass ich 5 Jahre problemlosen Betrieb (hardwareseitig) erwarten kann.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Smartphone, bei O2 gekauft am [vor ca. 1,5 Jahren], macht seit ungefähr 6 Monaten Probleme. Diese häufen sich in letzter Zeit, so dass ich das Handy nicht mehr gebrauchen kann.

Problembeschreibung: Das Handy schaltet sich beim Starten einer Anwendung oder bei Gebrauch von Anwendungen, die mobiles Internet benötigen (z.B. Google Maps), automatisch aus, vibriert einmal und dann viermal kurz hintereinander und bleibt dann beim Startbildschirm stehen (Absturz). Es lässt sich nur wieder reaktivieren, wenn ich den Akku herausnehme und wieder einsetze. Oft passiert dies in einer Art Schleife öfter hintereinander. Das Phänomen trat früher nur bei Apps mit einigermaßen datenintensiv genutzter Internetverbindungen (mobil, nicht im WLAN) auf; seit ungefähr 1,5 Monaten bei allgemein rechenintensiven Aktionen (Start einer App). Als Problemlösung habe ich versucht: Reinigung der Akku-Kontakte, Einlegen einer neuen SIM-Karte, Rücksetzen des Smartphones auf Werkseinstellungen. Keine dieser Aktionen hat eine Verbesserung bewirkt.

Ich wäre Ihnen dankbar für Ihre Hilfe

Mit freundlichen Grüßen…

 

Der weitere Verlauf:

1.2.12: Empfangsbestätigung der Email durch HTC

1.2.12: Antwort per EMail von HTC: „Aus Ihrer Email geht hervor, das Sie gegenwaertig das Problem haben, das Ihr HTC Desire automatisch ausschaltet und dann im Boot-Vorgang haengenbleibt. Da Sie Ihr Geraet bereits auf die Werkseinstellung zurueckgesetzt haben, ohne dass das Problem geloest wurde, moechten wir Sie bitten, Ihr Geraet zur Reparatur einzureichen. Sie haben die Moeglichkeit, Ihr Geraet in jedem O2 Shop zur Reparatur einzureichen.“

1.2.12: Antwort von @o2de: Klick. Frage, ob ich das schon ohne SIM probiert habe und welche Firmware installiert ist.

2.2.12: Ein paar nette Tweets zwischen mir und @o2de hin und her zur Klärung des Fehlers und dann schließlich die Bitte: „E-Mail socialmedia[at]o2.com mit der IMEI-Nummer, Adresse, Fehlerbeschreibung und deiner Mobilfunknummer“

3.2.12: Email von O2, dass mich per Post die Einsendungsunterlagen erreichen

9.2.12: Einsendungsunterlagen von O2 per Post und Einsendung des Gerätes.

[Update 6.5.2012:] – Ups, an den Kommentaren merke ich gerade, dass ich das hier gar nicht mehr weiter geschildert habe. Daher in der Kurzfassung: Eine gute Woche nach Einsendung des defekten Gerätes kam das reparierte Handy wieder bei mir an. Offenbar wurde die Platine ausgetauscht (neue Gerätenummer); Akku, Gehäuse und Bildschirm sind geblieben. Ansonsten habe ich in der Sache nichts weiter von HTC oder O2 gehört, also keine Rechnung (was auch nicht angekündigt war oder womit ich gerechnet hätte) oder Rückmeldung erhalten. Das Gerät ist wieder im Gebrauch und funktioniert jetzt ohne Abstürze. Mal abgesehen von dem Ärger mit dem defekten Gerät hat die Reparatur tadellos geklappt. Insbesondere Kulanz und Reaktionsschnelligkeit von O2 verdient ein Lob.

Die medienethische Dimension der Wulff-Affäre

Mit den Anrufen von Bundespräsident Wulff bei Kai Dieckmann, Mathias Döpfner oder (laut Cicero-Online) auch bei Friede Springer hat sich die „Kredit-Affäre“ um eine „Medien-Affäre“ erweitert. Dieser Vorgang, dass ein Bundespräsident in dieser Weise Einfluss auf die Berichterstattung in den Medien nehmen möchte, ist in der Tat medienethisch hoch prekär. Vor allem das Vokabular mit dem Christian Wulff in dieser Sache über die Medien spricht (nach allem was man weiß: „Rubikon“, „Krieg“, „Stahlgewitter“) zeigt für mich ganz deutlich, dass Wulff die Medien nicht als eine durch unbedingte Pressefreiheit und Zensurverbot zu schützende kritische Öffentlichkeit begreift, sondern als Bühne, auf der er als Person gut oder schlecht dasteht. Und das ist, bei allem Verständnis für das Bestreben, gut und „richtig“ dargestellt zu werden, für einen Bundespräsidenten kein korrektes, und ich meine: kein moralisch korrektes, Verhalten.

Für mich ist klar, dass Wulff durch seinen ursprünglichen Deal mit der Bild-Zeitung (vgl. Berlin direkt vom 8. Januar 2012), durch den er sich die Rückendeckung der Bild-Zeitung u.a. für seine Scheidung und neue Beziehung sicherte (vgl. ebd.), und seinen Anruf bei Diekmann, selber Schuld an dem Medienzirkus ist, der sich in den letzten Wochen ereignet hat. Das aber darf nicht den Blick darauf verstellen, dass auch der Unterhaltungsjournalismus eine politische Verantwortung hat, Wulff also nicht nur als „Celebrity“ sehen darf, sondern auch als Person, die das Amt des Bundespräsidenten inne hat. Die Bewertungen sollten auseinandergehalten werden: Beziehen Sie sich auf die Kreditaffäre des damaligen Ministerpräsidenten (v. a. rechtliches Problem), beziehen sie sich auf den Umgang mit dieser Affäre (Ebene politischer Klugheit), beziehen Sie sich auf Kontakte zu Unternehmern in seiner Zeit als Bundespräsident (rechtliche und moralische Ebene) oder beziehen sie sich auf Wulffs Medienverständnis und seine Versuche, die Berichterstattung zu beeinflussen (medienethische Ebene).

Für die medienethischen Aspekte sind die Kolleginnen und Kollegen in der wissenschaftlichen Kommunikations- und Medienethik gefragt. So hat Klaus Beck einige Interviews gegeben und Marlis Prinzing verfasste einige Zeitungs-Beiträge.  Auf mich kam vergangenen Freitag die dpa zu und führte ein Gespräch mit mir (ebenfalls für die Hörfunk-Schiene). Der medienethische Dreh der Affäre hatte über das Wochenende seinen Höhepunkt und daher erschien das Interview in jeder erdenklichen Zeitung. Dass man dabei betitelt wird als „Ethikexperte der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft“ (DGPuK) ist typisch, aber falsch. Mir ist nicht bekannt, dass die DGPuK einen Ethikexperten oder eine Ethikexpertin hat und wüsste auch nicht, was das sein soll. Aber mein Amt bei der DGPuK, „Sprecher der Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik der DGPuK“ ist für das Nachrichtengeschäft viel zu abstrakt. „Experten“ müssen her – und eine medienethische Expertise stelle ich gerne zur Verfügung.

(Bildquelle: Screenshot von http://www.lvz-online.de)

Markt und Moral – Zu Gast bei der Konrad Adenauer Stiftung

Im Rahmen eines Initiativseminars für Stipendiaten der Konrad Adenauer Stiftung zum Thema „Markt und Moral“ war ich eingeladen, eine christlich-sozialethische Sichtweise auf das Thema vorzustellen. Auch dabei: Ruprecht Polenz, Bundestagsabgeordneter der Stadt Münster (hier ein Bericht von seiner Website), Prof. Dr. Peter Kajüter vom Institut für Wirtschaftswissenschaften der Universität Münster sowie Dr. Siegfried Riediger von BASF-Coatings.

Bei solchen Podiumsdiskussionen empfiehlt sich eine prägnante Position und ich hatte mich entschieden, das christlich-sozialethische Potential einer ganz anderen Sichtweise ins Spiel zu bringen. Wirtschaftsethik aus christlicher Perspektive würde sich in dieser Sichtweise nicht an die Wirtschaft und ihre Sprache ausliefern, denn sonst wäre nur eine immanente Kritik möglich, die latent affirmativ bleibt. Statt dessen würde sie auf ihrer eigenen Sprache und ihrer eigenen Hoffnung bestehen und diese gegen die „Erzählung des Marktes“ ins Spiel bringen.

Mein Forderung nach einer christlich motivierten „zünftigen Kapitalismuskritik“ konnte die Stipendiaten der Konrad Adenauer Stiftung aber nicht so richtig von ihren Sitzen reißen 😉 – womit ich natürlich gerechnet hatte.

Natürlich bleiben wichtige methodische Überlegungen in diesem Statement unberücksichtigt, wie zum Beispiel die Notwendigkeit einer sachgerechten Wirtschaftsethik, die eine ökonomische Expertise braucht und insofern auch die ökonomische Sprache beherrschen muss. Aber wie gesagt: Das stand im Dienst einer prägnanten Position.

Bei der gelungenen Podiumsdiskussion hat Ruprecht Polenz das „christliche Menschenbild“ als Grundlage einer Wirtschaftsethik ins Spiel gebracht. Diese Formel, von christdemokratischen Politkerinnen und Politikern ja gerne verwendet, sollte dann begründen, warum man zwar von der Freiheit und Sozialität des Individuums ausgehen, aber auch deren Anfälligkeit für egoistisches Verhalten ins Kalkül ziehen muss. Herr Polenz hat das sehr behutsam ins Spiel gebracht, aber wie man mit dem christlichen Menschenbild argumentieren kann und wie nicht und was das überhaupt sein kann, ein „christliches Menschenbild“ – das wird als Frage übergangen. Aber die Beschäftigung genau mit diesen Fragen wäre für mich der Schlüssel, mit dem man „christliches Menschenbild“ und „Politik“ verknüpfen kann.

Mein Kurzstatement gibt es hier.

(Bildquelle)

Googles „Ich im Internet“ und die Verwendung einer medienethischen Expertise

Meine diversen Engagements in der wissenschaftlichen Medienethik (z.B. in der FG Ethik der DGPuK) führen dazu, dass ich ab und zu Interviewanfragen von Zeitungen und Hörfunksendern bekomme. Wenn ich keine Kollegin oder keinen Kollegen finde, der sich zu einer konkreten Frage besser auskennt und sich zu einem Interview bereit erklärt, mache ich das auch gerne selbst. Jedenfalls verstehe ich meine wissenschaftliche Rolle als Medienethiker so, dass ich nicht nur im wissenschaftlichen Bereich aktiv bin, sondern auch an dem medienethischen Diskurs außerhalb der engen Grenzen von „Wissenschaft“ teilnehmen möchte.

Vor ein paar Wochen bin ich von „Der Westen“ (Portal der WAZ Mediengruppe) angefragt worden, mich zu Googles Dienst „Me on the Web“ zu äußern (vgl. dies für eine kurze Erklärung). Die Anfrage skizzierte das Themenspektrum so: „bewegt sich zwischen dem narzisstischen Aspekt der Selbst-Googelei und den datenschutztechnischen Hintergründen“. Narzissmus, Datenschutz, Google – das sind also die medienethischen Themen, die für mediale Alltagskommunikation relevant sind.

Als Wissenschaftler muss man realistisch sein und nicht denken, dass man theoretische Differenzierungsbemühungen eins zu eins in die Mediensprache hinübertransportieren könnte. In diesem besagten Interview sind meine Aussagen sicher nicht falsch wiedergegeben worden. Aber natürlich werden sie in die Stoßrichtung eines Artikels eingepasst: Hier ging es der Autorin (bzw. der Redaktion) um Information, Orientierung, Werbung und um das Spiel mit den Ängsten und Befürchtungen der Nutzer (Google als Datenkrake…). Jedenfalls kann man mit Aufmerksamkeit rechnen, wenn man Googles privacy-Bemühungen zum Thema macht. Anstoß war vermutlich eine Presseerklärung bzw. Ankündigung von Google (vermutlich die hier).

Meine wissenschaftliche Expertise ist jedenfalls (wenn überhaupt) eine wissenschaftliche Expertise. Die Verwendung dieser Expertise in anderen Kommunikationszusammenhängen ist notwendig und sinnvoll, aber der andere Kontext verändert dann auch immer die Aussagen. Google zu „loben“, wie in dem Artikel geschrieben, würde mir wissenschaftlich jedenfalls nicht einfallen, auch wenn ich dort positive Aspekte entdecke (und die Thematisierung von Online-Identity und das Anbieten von Tools dafür sehe ich bei aller Ambivalenz durchaus positiv).

Das Zeitunglesen-Ritual am Ende

Es gibt gewisse Medien-Nutzungs-Rituale, die die aktuelle Generation junger Menschen gar nicht mehr ausbildet. Die Ritualität der Medien-Nutzung ist beim Zeitunglesen und Fernsehen ganz deutlich, etwa das morgendliche Zeitunglesen oder die Tagesthemen vor dem Zubettgehen. Aber: Der Wandel öffentlicher Kommunikationsformen und Ihrer Medien hin zum Internet führt natürlich auch zu einer Veränderung der Rituale. Meine Studentinnen und Studenten jedenfalls lesen zum Großteil keine Zeitung mehr.

Folgender medienethischer Gedanke zum Ende des Zeitunglesen-Rituals hat seinen Kern in der Frage, wie es dann noch möglich ist, irritiert zu werden. Irritation, durch Sinn, durch Fremdes, durch alternative Vorstellungen des guten Lebens begreife ich überhaupt als Bedingung dafür, dass Gesellschaftskritik möglich ist.

Das Ende des Zeitunglesen-Rituals führt dazu, dass man nicht mehr von Themen und Sinn angerührt und gefunden wird, sondern nur noch selbst auf die Suche nach Themen geht und sich den Medienmix nach dem eigenen Geschmack zusammensetzt. An sich nicht schlecht, aber wie ist es da noch möglich, irritiert zu werden, von der anderen Seite zu erfahren, mit dem Fremden konfrontiert zu werden? Das Leid in der Welt, oder sanfter: politische und soziale Probleme, kommen vielleicht gar nicht mehr medial an, weil die selbst abonnierten RSS- und Twitter-Feeds und News-Seiten nur noch Statusupdates von Freunden, Gossip der Lieblingsschauspieler übermitteln. Und diejenigen, die gar nicht wissen, was ein RSS-Feed ist, klicken sich durch die Youtube-Vorschlagsliste, die immer nur ähnliche (aber nie ganz andere) Titel nennen, wenn sie sich nicht gleich nur noch amerikanische Serien von irgendwoher besorgen und sich darüber in einem Forum austauschen.

Mit anderen Worten: Was ist mit dem Wichtigen, das nicht meinen Freunden als Wichtig gilt oder nicht thematisch mit dem verbunden ist, was mir bisher wichtig war? Kommt es bei mir an? Wer sicherstellen will, dass es ankommen kann, sollte ein Zeitunglese-Ritual ausbilden (analog: ein Tagesthemen-Ritual), z.B. jeden Morgen mindestens 15 Minuten eine (Qualitäts-) Tageszeitung durchblättern.

Update 2.5.2011

Gerade habe ich dieses passende Zitat gefunden: „Im Internet finde ich ja meist nur, was ich suche. In der Zeitung finde ich Dinge, von denen ich gar nicht wusste, dass sie mich interessieren.“ (Michael Ringier, Verleger, im Interview mit der taz, 15.09.2007, Fundstelle)

Für vertiefende Gedanken im Umfeld dieses Themas vgl. meinen Beitrag Filipović, Alexander (2011): Ethik der Medienritualität jugendlicher Identitätsentwicklung. In: Petra Grimm und Oliver Zöllner (Hg.): Medien – Rituale – Jugend. Perspektiven auf Medienkommunikation im Alltag junger Menschen: Franz Steiner (Medienethik, 9), S. 29–41.

Arbeit und Gerechtigkeit

Soeben ist der Call for Papers für die Tagung des Forums Sozialethik im September 2011 veröffentlicht worden. Das Thema: „Arbeit – ein Schlüssel für soziale Gerechtigkeit?“ Ich zitiere:

Heute erleben wir einen fortschreitenden Strukturwandel der Arbeitswelt von einer eher homogenen, tendenziell volkswirtschaftlich orientierten Industriegesellschaft, hin zu einer mehr heterogenen Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft, unter den Bedingungen globaler Mobilität und internationaler Konkurrenz. Stichworte wie prekäre Arbeit, Mindestlohn oder gerechte Löhne tauchen in aktuellen Debatten erneut unter veränderten Vorzeichen auf.

Das Forum Sozialethik 2011 will den vielfältigen Fragen und Herausforderungen nachspüren, die sich in Bezug auf die moderne Arbeitswelt für eine christliche Sozialethik ergeben.

Alles Weitere hier.

Wikileaks medienethisch – Teil 2

Neben den hier schon erwähnten Interviews bzw. Kommentaren zu Wikileaks sind noch zwei dazu gekommen:

  • Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur (z.B. hier verarbeitet)
  • Interview mit „Publik Forum“ (erscheint noch)

Die Überschrift über den Interviews („Moralisch Zweifelhaft“) könnte nahe legen, dass ich Wikileaks in Bausch und Bogen verdamme. Das stimmt nicht. „Moralisch zweifelhaft“ bedeutet, dass man hinsichtlich einiger Probleme in und um Wikileaks (z. B. Informantenschutz, Geheimnisverrat um des Verrats willen, keine Abwägung, welche Folgen eine Veröffentlichung hat…) sinnvoll Fragen kann, ob das etablierten und für gut befundenen sittlichen Standards entspricht oder man das Ethos hinter Wikileaks auf seine Moralität hin prüfen kann und sollte. Mein Statement dazu lautet kurz: Die Idee, das politisches und staatliches Handeln im Prinzip transparent sein muss, ist OK und politisch-ethisch etabliert; das ist und muss auch ein Kampfplatz sein, auf dem gegen Bemühungen, Politik hermetisch zu veranstalten, vorgegangen wird . Wikileaks überreizt aber das Prinzip und es besteht die Gefahr, dass sich hier Aufklärung in sein Gegenteil verkehrt.

Zur ethischen Problematik von Wikileaks sind in der Zeitungs- und Hörfunklandschaft inzwischen unzählige Beiträge entstanden, die sich kaum mehr systematisieren lassen. Interessant fand ich z. B.

Wikileaks medienethisch

Zwei kleinere medienethische Beiträge zu Wikileaks sind in den letzten Tagen entstanden: Ein Interview bei Radio Vatikan (Sendedatum 4.12.2010, hier geht es zum Beitrag) und ein Gastkommentar in der Zeitung „Die Tagespost“ (soll morgen erscheinen, Link falls online folgt noch).

Update 1 (7.12.2010, 9:00 Uhr): Laut Radio Vatikan sitze ich „im Akademischen Rat am Institut für Christliche Sozialwissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster“ – ist schon schwierig mit dem Amtsdeutsch… Ich bin „Akademischer Rat“ (Wikipadia-Artikel). Aber vielleicht kann man hier an der Fakultät ja mal so einen Rat einrichten…

Update 2 (7.12.2010, 9:00 Uhr): Die katholische Presseagentur Österreich hat aus dem Radio-Vatikan-Interview einen lesbaren Text gemacht.

„Ein Medienethiker über die Problematik von Google Street View und Co.“

Heute ist in der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen Zeitung (und in der Netzwelt von HNA-Online) ein kleiner Beitrag von mir zu Medienethik, Netzpolitik und Geodaten erschienen. Hier geht es direkt zum Text.

Neue Generation im Internet – grenzenlos frei?

amosGerade erschienen ist das Amosinternational-Heft Nr. 3 (2010) zum Thema „Neue Generation im Internet – grenzenlos frei?„. Mir wurde die Gelegenheit gegeben, das Schwerpunktthema des Heftes zu konzipieren; ich konnte für eine empirische Perspektive Claudia Lampert und Jan Schmidt (Hans-Bredow-Institut, Hamburg) gewinnen, die Gewaltproblematik hat Petra Grimm (Hochschule der Medien, Stuttgart) beleuchtet (die man gestern Abend in 3Sat „Scobel“ sehen konnte) und die medienpädagogische Thematik erläutert Andreas Büsch (Kath. Fachhochschule, Mainz). Einen Beitrag zur Netzpolitik habe ich selbst beigesteuert.

Richard Geisen (Redaktion Amosinternational, Kommende Dortmund) führte zudem ein interessantes Interview mit Christoph Schuck (Universität Dortmund) zu Nutzen und Missbrauch des neuen Internets in internationaler Perspektive.

Amosinternational ist keine wissenschaftliche Zeitschrift im engeren Sinne, sondern hat den Anspruch, in verständlicher Weise soziale und gesellschaftliche Themen zu beleuchten. Daher eignet sich dieses internetethische Themenheft gut für Erwachsenenbildung und medienethische Einführungsseminare in Universität und Schule.

Das Heft (56 S.) kann einzeln für 12,90 € hier bestellt werden.

Die Titel und die Literaturangaben im Überblick:

  • Lampert, Claudia; Schmidt, Jan-Hinrik (2010): Jugendliche im Social Web. Empirische Befunde zu Nutzungspraktiken. In: Amosinternational, Jg. 4, H. 3, S. 3–10.
  • Grimm, Petra (2010): Gewalt im Internet. Eine medienthische Herausforderung. In: Amosinternational, Jg. 4, H. 3, S. 11–17.
  • Filipović, Alexander (2010): Netzpolitik – Überblick und sozialethische Perspektiven einer Politik des neuen Internets. In: Amosinternational, Jg. 4, H. 3, S. 18–23.
  • Büsch, Andreas (2010): Medienerziehung 2.0. Neue Antworten auf neue Herausforderungen? In: Amosinternational, Jg. 4, H. 3, S. 24–33.
  • Schuck, Christoph (2010): „Autoritären Systemen die Maske herunterziehen“. Gespräch mit Christoph Schuck über Nutzen und Missbrauch des Web 2.0. Interviewer: Richard Geisen. In: Amosinternational, Jg. 4, H. 3, S. 34–41.