Alle Welt wartet auf die neue Enzyklika „Magnifica Humanitas“ von Papst Leo XIV. zur Künstlichen Intelligenz. Sie ist für heute, 15.5.26, erwartet worden, unter anderem, weil die erste Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ am 15. Mai 1891 veröffentlicht wurde. Wie ich höre, kommt „Magnifica Humanitas“ später, vielleicht an Pfingsten.
Papst Leos Text wird eine Sozialenzyklika sein. Sozialenzykliken sind Texte, die zusammen die Soziallehre der Katholischen Kirche bilden. Alle Sozialenzykliken bauen aufeinander auf und für jede neue Sozialenzyklika bildet die Tradition den Kontext. Papst Leo wird in „Magnifica Humanitas“ die Prinzipien der Katholischen Soziallehre darstellen und auf diesem Weg aktualisieren. Wie er dann auf Technik und die Künstliche Intelligenz eingeht, werden wir sehen.
Als (katholischer) christlicher Sozialethiker, der sich mit Katholischer Soziallehre und mit Digitalisierung und Technologien Künstlicher Intelligenz beschäftigt, bin ich sehr neugierig, was die neue Enzyklika bereithält.
Hier ein paar Texte, in denen ich mich mit Katholischer Soziallehre, Katholischer KI-Ethik und Papst Leo auseinandergesetzt habe:
Leo XIV – An AI Pope? Insights and Perspectives from California (2025) (zusammen mit Anna Puzio), deutsche Version bei Feinschwarz
In unserem Text analysieren wir das Pontifikat von Leo XIV. als Antwort auf die KI-Revolution. Wir verbinden kalifornische Techniknähe mit der Tradition der Sozialethik , fordern eine fundierte Analyse globaler Ungerechtigkeit und sehen im neuen Papst einen Hoffnungsträger in politisch angespannten Zeiten.
Antiqua et nova: Anthropology and Social Ethics for our Technological Future (2025), kürzere deutsche Version bei Communio
Der Text Antiqua et Nova ist der aktuellste systematische Text des Vatikans zu Fragen der Künstlichen Intelligenz. In diesem Text beschreibe ich den Text, ordne ihn ein und bewerte ihn.
In diesem größeren, akademischen Text kläre ich grundlegend, wie und mit welchen Schwerpunkten sich die Christliche Sozialethik mit Technologien Künstlicher beschäftigen kann und beschäftigen sollte. Der Text ist in einem Band der Pontifical Academy of Life publiziert, anlässlich der Tagung „The ‚good‘ algorithm. Artificial Intelligence, Ethics, Law, Health“ (im Vatikan/Rom). Hier ein Interview mit mir anlässlich der Tagung von Radio Vatikan.
Abstract: Während die Industrialisierung die Grundlagen der christlichen Soziallehre (Rerum Novarum, 1891) gelegt hat und die Globalisierung zu den Hauptschwerpunkten der theologischen christlichen Sozialethik sowie der Soziallehre der Kirche gehört, scheint bisher (2021) die Digitalisierung bei der Aufmerksamkeit der theologischen Sozialethik hinter diesen Phänomenen zurückzubleiben. Wie die christliche Sozialethik zum ethischen und politischen Diskurs über Digitalisierung und künstliche Intelligenz beitragen könnte, bleibt eine offene Frage. Durch die Verknüpfung der Themen Persönlichkeit, Solidarität und Subsidiarität mit ethischen Überlegungen zur Technologie zielt dieser Beitrag darauf ab, das Feld der Algorithmen, Daten und künstlichen Intelligenz (KI) durch das Prisma der christlichen Sozialethik zu beleuchten. Daher besteht das Forschungsziel darin, Verbindungen zwischen christlicher Sozialethik, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz zu erörtern, um die aktuelle Stellung dieser digitalen Phänomene in der Tradition der christlichen Sozialethik zu beleuchten und die vielversprechendsten Richtungen für die weitere Forschung aufzuzeigen.