Der philosophische Pragmatismus als Arbeitsschwerpunkt

Neben der Medienethik beschäftige ich mich seit 10 Jahren mit dem philosophischen Pragmatismus. Die morgige Tagung „Der philosophische Pragmatismus in der Bewährung: Gesellschaftliche Konflikte zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ ist für mich eine Gelegenheit, in dieser Hinsicht Bilanz zu ziehen und meine Texte zum Pragmatismus zu bündeln.

An meiner Wirkungsstätte, der Hochschule für Philosophie in München, hat sich eine Arbeitsgruppe Pragmatismus gebildet, die jetzt auch nach außen hin produktiv werden wird. Ich darf hier vielleicht schon mal leaken, dass wir im März 2017 Richard J. Bernstein für einen philosophischen Meisterkurs gewinnen konnten.

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Buch „Erfahrung – Vernunft – Praxis“

In meinem Buch „Erfahrung – Vernunft – Praxis“ (Schöningh, 2014) habe ich die Moralphilosophie des Pragmatismus bei den Klassikern (Peirce, James, Dewey, Mead) und bei den Neo-Pragmatisten (Rorty, Putnam, Habermas) rekonstruiert. Diese Abschnitte (85-160) lassen sich auch als Einführung in die Ethik des Pragmatismus lesen:

3 Elemente pragmatistischer Ethik

3.1 Das Ethikverständnis der klassischen Pragmatisten
3.1.1 „Konkrete Vernunft“ – Charles S. Peirce
3.1.2 Die moralische Gemeinschaft und die Standpunkthaftigkeit des Ethikers – William James
3.1.3 Moralische Entwicklung und der Bezug auf die bessere Gesellschaft – George Herbert Mead
3.1.4 Die implizite Normativität der Praxis – John Dewey

3.2 Religion und die Einheit der Erfahrung im Pragmatismus
3.2.1 Peirce – James – Dewey: Akzente pragmatistischer Erfahrungstheorie
3.2.2 Religiöse Erfahrung bei John Dewey

3.3 Moralphilosophische Beiträge jüngerer Zeit
3.3.1 Hoffnung auf die solidarische Rationalität – Richard Rorty
3.3.2 Die Integration von Fallibilismus und Anti-Skeptizismus – Hilary Putnam
3.3.3 Pragmatistische Detranszendentalisierung und moralische Richtigkeit – Jürgen Habermas

Ziel des Buches ist es, eine sich spezifisch christlich verstehende Sozialethik mit dem Pragmatismus bekannt zu machen; eine Wurzelbehandlung Christlicher Sozialethik sozusagen.

Aufsätze zum Pragmatismus

Daneben habe ich noch ein paar Aufsätze zum Thema Pragmatismus geschrieben. Ich hoffe, dass ich hier neben dem Hauptgeschäft, der Medienethik, weiterarbeiten kann. In die Liste sind nur Titel aufgeführt, die den Pragmatismus explizit zum Thema machen. Ich werde die Liste nach und nach ergänzen.

  • Filipović, Alexander (in Vorbereitung): Royce and Mead about the foundations of ethics. In: Christoph Seibert und Christian Polke (Hg.): Josiah Royce – Pragmatist, Philosopher of Religion, Ethicist. Tübingen: Mohr Siebeck.
  • Filipović, Alexander (2016): Feminismus – Pragmatismus – Medienethik. Zur Frage nach der geeigneten Moralphilosophie für die Gender-Medien-Thematik. In: Sigrid Kannengießer, Larissa Krainer, Claudia Riesmeyer und Ingrid Stapf (Hg.): Eine Frage der Ethik? Eine Ethik des Fragens. Interdisziplinäre Untersuchungen zu Medien, Ethik und Geschlecht. Weinheim, Bergstr: Beltz Juventa (Kommunikations- und Medienethik), S. 82–94.
  • Filipović, Alexander (2015): Pragmatistische Grundlegung Christlicher Sozialethik? In: Ethik und Gesellschaft (1). Online verfügbar unter https://open-journals.uni-tuebingen.de/ojs/index.php/eug/article/view/308.
  • Filipović, Alexander (2009): Das demokratische Ethos als Praxis. Der philosophische Pragmatismus und die Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. In: Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften, Jg. 50, S. 133–164.
  • Filipović, Alexander (2008): Die Kritik an der Unterscheidung von Sein und Sollen im Pragmatismus. Über den Zusammenhang von Erkenntnistheorie, Ethik und Pädagogik. In: Pädagogische Rundschau, Jg. 62, H. 1, S. 107–114.

Niklas Luhmann – Ethik – Ironie

Vor ewigen Zeiten (2002) habe ich mal einen Artikel geschrieben, in dem ich versucht habe, mit Nikas Luhmann eine Medienethik zu fundieren. Das war mehr oder weniger mein erster wissenschaftlicher Artikel. Es stecken einige Gedanken darin, die mein medienethisches Denken auch heute noch prägen. Besonders den Zusammenhang von Ethik und Ironie finde ich weiterhin sehr anregend.

Der Aufsatz steht aber auch für eine intensive Luhmann-Lektüre meiner Studien- und Dissertationszeit, die vor allem über meinen kommunikationswissenschaftlichen Lehrer Manfred Rühl vermittel war; die letzten 10 Jahre habe ich dann eher mit Habermas verbracht… 😉

Preprint-Version

Ich stelle hier eine Preprint-Version zur Verfügung. Nicht zuletzt liefert der Aufsatz eine Zusammenstellung von Luhmanns verstreuten Bemerkungen zur Ethik und kann in dieser Hinsicht hilfreich sein. Die zitationsfähige Version findet sich in

Filipović, Alexander (2003): Niklas Luhmann ernst nehmen? (Un-)Möglichkeiten einer ironischen Ethik öffentlicher Kommunikation. In: Bernhard Debatin und Rüdiger Funiok (Hg.): Kommunikations- und Medienethik. Konstanz: UVK, S. 83–95.

Im Aufsatz verwendete Literatur

  • Anzenbacher, Arno (1998): Christliche Sozialethik. Einführung und Prinzipien. Paderborn.
  • Blöbaum, Bernd (1994): Journalismus als soziales System. Geschichte, Ausdifferenzierung und Verselbstständigung. Opladen.
  • Boventer, Hermann (1984): Ethik und System im Journalismus. Der Handlungsbedarf moderner Mediensysteme. Kritische Anmerkungen zu einem Aufsatz von Manfred Rühl und Ulrich Saxer. In: Publizistik, 29. Jg. (1984), H. 1, S. 34-48.
  • Bude, Heinz (1999): Empörung ohne Moral. Aus: Bude, Heinz (Hrsg.): Die ironische Nation. Soziologie als Zeitdiagnose. Hamburg. S. 71-85.
  • Furger, Franz (2001): Utopien und Visionen in der Sozialethik? In der Falle zwischen Utopie und Wissenschaft. Aus: Nacke, Bernhard (Hrsg.): Visionen für Gesellschaft und Christentum. Bd. 1. Wodurch Gesellschaft sich entwickeln kann. Würzburg. S. 74-80.
  • Heimbach-Steins, Marianne (2002): Sozialethik als kontextuelle theologische Ethik – Eine programmatische Skizze. In: Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften, 43. Jg. (2002), S. 46-64.
  • – (2002a): Prüfkriterium und Korrektiv. Das „christliche Menschenbild“ als Ressource politischer Orientierung. In: Herder Korrespondenz, 56. Jg. (2002), H. 2, S. 73-78.
  • Horster, Detlef (1998): Zwei Philosophen, die sich dreißig Jahre lang aneinander rieben. In: Frankfurter Rundschau, Nr. 271 vom 21.11.2000, S. 21.
  • Kleinschmidt, Sebastian (1999): Pathosallergie und Ironiekonjunktur. In: Sinn und Form, 51. Jg. (1999), H. 6, S. 963.
  • Klemm, Helmut (2000): Mysterien eines denkenden Zettelkastens. Niklas Luhmanns legendäres Hauptwerk soll entmystifiziert und entschlüsselt werden. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 47 vom 26./27.2.2000, S. S. II (Beilage „SZ am Wochenende“).
  • Löffelholz, Martin; Quandt, Thorsten (2000): Funktion – Struktur – Umwelt: Das System als Paradigma. Aus: Löffelholz, Martin (Hrsg.): Theorien des Journalismus. Ein diskursives Handbuch. Opladen. S. 147-151.
  • Luhmann, Niklas [1984] (1987): Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. (Erstveröff. 1984) Frankfurt a. M.
  • – (1969): Normen in soziologischer Perspektive. In: Soziale Welt, 20. Jg. (1969), H. 1, S. 28-48.
  • – (1978): Soziologie der Moral. Aus: Luhmann, Niklas; Pfürtner, Stephan H. (Hrsg.): Theorietechnik und Moral. Frankfurt a. M. S. 8-116.
  • – (1989): Ethik als Reflexionstheorie der Moral. Aus: Luhmann, Niklas (Hrsg.): Gesellschaftsstruktur und Semantik. Bd. 3. Frankfurt a. M. S. 358-448.
  • – (1990): Paradigm lost. Über die ethische Reflexion der Moral. Aus: Luhmann, Niklas; Spaemann, Robert (Hrsg.): Paradigm lost. Über die ethische Reflexion der Moral. Frankfurt a. M. S. 9-48.
  • – (1993): Wirtschaftsethik – als Ethik? Aus: Wieland, Josef (Hrsg.): Wirtschaftsethik und Theorie der Gesellschaft. Frankfurt a. M. S. 134-147.
  • – (1996): Die Realität der Massenmedien. 2. Aufl. Opladen.
  • – (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt a. M.
  • – (1997a): Politik, Demokratie, Moral. Aus: Konferenz der deutschen Akademien der Wissenschaften (Hrsg.) 1997: Normen, Ethik und Gesellschaft. Mainz. S. 17-39.
  • Marcinkowski, Frank (1993): Publizistik als autopoietisches System. Politik und Massenmedien. Eine systemtheoretische Analyse. Opladen.
  • Rath, Matthias (2000): Kann denn empirische Forschung Sünde sein? Zum Empiriebedarf der Medienethik. Aus: Ders. (Hrsg.): Medienethik und Medienwirkungsforschung. Wiesbaden. S. 63-87.
  • Ronneberger, Franz; Rühl, Manfred (1992): Theorie der Public Relations. Ein Entwurf. Opladen.
  • Rühl, Manfred (1969): Systemdenken und Kommunikationswissenschaft. In: Publizistik, 14. Jg. (1969), H. 2, S. 185-206.
  • – (1979): Die Zeitungsredaktion als organisiertes soziales System. 2. Aufl. Freiburg – Schweiz.
  • – (1980): Journalismus und Gesellschaft. Bestandsaufnahme und Theorieentwurf. Mainz.
  • – (1996): Wie kommen bei der systemtheoretische Betrachtung (N. Luhmann) Normen ins Spiel? Modell Rundfunkpublizistik. Aus: Funiok, Rüdiger (Hrsg.): Grundfragen der Kommunikationsethik. Konstanz 1996. S. 41-58.
  • – (1999): Publizieren. Eine Sinngeschichte der öffentlichen Kommunikation. Opladen.
  • – (1999a): Publizieren und Publizistik – kommunikationswissenschaftlich betrachtet. In: Publizistik, 44. Jg. (1999), H. 1, S. 58-74.
  • – (2000): Medien (alias Mittel) und die öffentliche Kommunikation im Wandel. Aus: Zurstiege, Guido (Hrsg.): Festschrift für die Wirklichkeit. Wiesbaden. S. 105-118.
  • Rühl, Manfred; Saxer, Ulrich (1981): 25 Jahre Deutscher Presserat. In: Publizistik, Jg. 26 (1981), H. 4, S. 471-507.
  • Stichweh, Rudolf (Hrsg.) 1999: Niklas Luhmann – Wirkungen eines Theoretikers. Gedenkcolloquium der Universität Bielefeld am 8. Dezember 1998. Bielefeld
  • Veith, Werner (1999): Ethik im System Journalismus. Die Konzeption des Journalismus bei Manfred Rühl und eine Kritik aus sozialethischer Perspektive. In: Theologie der Gegenwart, Jg. 42, H. 1, S. 15-25.
  • Werth, Christoph H. (1999): Zivilisationspolitik als Aufgabe. Zum gesellschaftlichen Diskurs über Medienethik. Aus: Funiok, Rüdiger; Schmälzle, Udo F.; Werth, Christoph H. (Hrsg.): Medienethik – die Frage der Verantwortung. Bonn. S. 131-160.

Der überwachte Mensch

Neue Publikation zum „Streitfall Überwachung“: Das jetzt erschienene Heft 2/2015 des Journals für politische Bildung befasst sich mit der Freiheit im digitalen Zeitalter. Im Heft bin ich mit dem Beitrag „Der überwachte Mensch. Politisch-philosophische Reflexionen zu Big Data“ vertreten. So weit ich weiß, ist der Text online nicht erreichbar. Das Themenheft kostet 18 EUR und lässt sich hier bestellen.

Die Frage nach dem überwachten Menschen in digitalen Zeiten

Der Beitrag widmet sich dem Thema Überwachung auf einer allgemeinen Ebene. Er stellt die Frage nach dem überwachten Menschen in digitalen Zeiten – also in Zeiten, in denen unser Verhalten und Kommunizieren aufgezeichnet, gespeichert und ausgewertet wird. Die Frage nach dem Menschen ist dabei moralisch motiviert: Entsprechen zeitgenössische Überwachungsformen und -praktiken unseren Vorstellungen eines guten und gerechten Lebens?

Am Anfang des Gedankengangs steht der Begriff der Überwachung. Überwachungspraktiken sind ambivalent, vielgestaltig und nicht leicht zu beurteilen. Die Autonomie der Überwachten bleibt das normative Kriterium. Im zweiten Schritt stelle ich die digitalisierte Gesellschaft als Überwachungsgesellschaft vor. Drittens ergänzt das Stichwort Big Data die kritische Beschreibung der Strukturen, die uns überwachte Menschen umfangen: der überwachte Mensch ist heute der vorhergesagte Mensch. Der vierte Teil thematisiert das Verhältnis von Überwachern und Überwachten und stellt fest, dass Überwachung nicht als Handlung bestimmter Akteure, sondern als soziales Dispositiv rekonstruiert werden muss. Schließlich dreht sich der fünfte Abschnitt um die Möglichkeiten der Autonomie in Überwachungsgesellschaften, die vornehmlich politisch geschaffen werden müssen.

Angaben

Filipović, Alexander (2015): Der überwachte Mensch. Politisch-philosophische Reflexionen zu Big Data. In: Journal für politische Bildung 5 (2), S. 8–15.

Im Beitrag verwendete Literatur

  • Albrechtslund, Anders (2008): Online Social Networking as Participatory Surveillance. In: First Monday 13 (3). Online verfügbar unter http://firstmonday.org/ojs/index.php/fm/article/view/2142/1949.
  • Bauman, Zygmunt; Lyon, David (2013): Daten, Drohnen, Disziplin. Ein Gespräch über flüchtige Überwachung. Berlin: Suhrkamp (edition suhrkamp, 2667).
  • Bentham, Jeremy (2013): Panoptikum oder Das Kontrollhaus. Hg. v. Christian Welzbacher. Berlin: Matthes & Seitz (Batterien, N.F., 14).
  • Bigo, Didier (2006): Globalized (in)security. The field and the ban-opticon. In: Naoki Sakai und Jon Solomon (Hg.): Translation, biopolitics, colonial difference. Hong Kong: Hong Kong Univ. Press (Traces, 4), S. 109–157.
  • Brey, Philip (2005): Freedom and Privacy in Ambient Intelligence. In: Ethics Inf Technol 7 (3), S. 157–166. DOI: 10.1007/s10676-006-0005-3
  • Deleuze, Gilles (1993): Postskriptum über die Kontrollgesellschaften. In: Gilles Deleuze: Unterhandlungen, 1972-1990. Frankfurt am Main: Suhrkamp (edition suhrkamp, 1778), S. 254–262.
  • Foucault, Michel (1975/1977): Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Frankfurt am Main: Suhrkamp (stw, 184).
  • Kant, Immanuel (1786/2007): Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Kommentar von Christoph Horn, Corinna Mieth und Nico Scarano. Frankfurt a. M.: Suhrkamp (Suhrkamp Studienbibliothek, 2).
  • Lyon, David (2001): Surveillance society. Monitoring everyday life. Buckingham, Philadelphia: Open University Press (Issues in society).
  • Lyon, David (2007): Surveillance, power, and everyday life. In: Robin Mansell (Hg.): The Oxford handbook of information and communication technologies. Oxford, New York: Oxford University Press, S. 449–472.
  • Mayer-Schönberger, Viktor; Cukier, Kenneth (2013): Big Data. Die Revolution, die unser Leben verändern wird. München: Redline.
  • Nagenborg, Michael (2014): Surveillance and persuasion. In: Ethics Inf Technol 16 (1), S. 43–49. DOI: 10.1007/s10676-014-9339-4.

Mehr Niveau! Medienethik und TV-Unterhaltung

Über die Ethik der TV-Unterhaltung habe ich für das Magazin der Zeitungsgruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung (Wikipedia-EintragInternetauftritt) letzten Samstag einen größeren Beitrag geschrieben. Der Text trägt den Titel: Mehr Niveau. Was wir von TV-Unterhaltung erwarten sollten. Mit freundlicher Genehmigung der Zeitung darf ich hier das PDF des Beitrags zur Verfügung stellen.

Der Beitrag ist erschienen am 5.7.2014 auf S. 1 des Magazins zum Wochenende der Zeitungen der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung. Im Internet ist er nur hinter der Bezahlschranke als EPaper erhältlich.

Neues Heft zu Communicatio Socialis zu Ethik des Boulevards und der Unterhaltung

Die Unterhaltung ist in der Medienethik eher ein Randthema und wird zu selten thematisiert. Die medienethische Zeitschrift „Communicatio Socialis“ widmet sich aber jetzt in ihrem neuen (Heft 2/2014) der Unterhaltung. Unter anderem hat Christian Schicha einen Aufsatz beigetragen. Hier gibt es das Inhaltsverzeichnis und das Editorial gratis (alle anderen Artikel gegen Abo oder Einzelartikelkauf).

Medienethisch bedeutsam ist die Fernsehunterhaltung vor allem aus zwei Gründen. Erstens gibt es dauernd Klagen über die mangelnde Qualität von Unterhaltungssendungen oder solchen Sendungen werden sogar für unmoralisch oder gefährlich erklärt. Zweitens erreichen Shows und Filme ein riesiges Publikum und transportieren dabei Werte, Gerechtigkeitsvorstellungen und Entwürfe des guten Lebens bis in den letzten Winkel der Gesellschaft. Beide Punkte verlangen nach einer gründlichen medienethischen Beschäftigung mit dem Thema.

Für meinen Text habe ich profitiert von meinem Hauptseminar zur Ethik der Fernsehunterhaltung im SS 14 an der HfPh. Hier das Programm:

10.04.2014

  • Vorbesprechung: Einführung, Erläuterung des Seminarprogramms, Verteilung der Referate/Impulse

24.04.2014 (diese und alle weiteren Sitzungen 4-stdg.)

  • Anthropologie und Ethik der Unterhaltung, Orientierungen in der Philosophie (Beispiel: Gewalt in Spielfilmen)
  • Zur Qualität des Fernsehprogramms. Ethik und Ökonomie (Marktanteile, Erlöse…) der Fernsehunterhaltung (Beispiel: Fernsehshows/ Unterhaltungsshows)

15.05.2014

  • Kritik an der Massenkultur bzw. „Kulturindustrie“ von Horkheimer und Adorno (Beispiel: (Volks-)Musikshows)
  •  Stanley Cavells Theorie der Populärkultur

22.05.2014 (zusammen mit Prof. Markus Schächter)

  • Narration und Wertkommunikation: kulturwissenschaftliche und ethische Perspektiven – theoretische Orientierung
  •  Fernseh- und Spielfilm (am Beispiel von „Unsere Mütter unsere Väter“)

05.06.2014

  • Fiktionale Fernsehserien (Beispiel: “Red Band Society”, „Borgen“)
  • Realitiy- und Scripted Reality-Formate („Berlin Tag & Nacht“, „Köln 50667“, Dschungelcamp, Castingshows)

26.06.2014

  • Doku- und Infotainment, Politische Talkshows
  • Qualitätskriterien für Fernsehunterhaltung ethisch entwickeln
Wer Grundlagentexte zur Ethik der (Fernseh-)Unterhaltung sucht, ist mit den beiden folgenden schon ganz gut bedient (habe ich auch für meinen Text herangezogen):
  • Hausmanninger, Thomas (1999): Von der Humanität vergnüglicher Mediennutzung. Überlegungen zu einer Ethik medialer Unterhaltung. In: Theologie der Gegenwart 42 (1), S. 2–14.
  • Wunden, Wolfgang, Medienethik im gesellschaftlichen Wandel. Wer setzt Normen für die TV-Unterhaltung, in: tv diskurs 5 (17) (2001) 38–41. Verfügbar unter: http://fsf.de/medienarchiv/beitrag/wer-setzt-normen-fuer-die-tv-unterhaltung-medienethik-im-gesellschaftlichen-wandel/.

Privatsphäre und Identität in der digitalen Welt – Wissensshow in München

Screenhot von http://www.digital-ist.de/

Kommenden Montag bin ich „Live-Experte“ bei einer Wissensshow (@wissensshow) zum Thema „Wer sind wir im Netz – Privatsphäre und Identität in der digitalen Welt“ in München (19 Uhr, Fraunhofer-Haus). Hier gibt es alle Infos. Bei der Wissensshow handelt es sich um eine alternative Art und Weise von Wissenstransfer, bei der die Zuschauerinnen und Zuschauer live im Saal Interaktionsmöglichkeiten bekommen. Der SWR hat eine kleine Erklär-Reportage zu den Wissensshows gemacht. Und Eindrücke aus vergangenen Veranstaltungen gibt es auf der Facebook-Seite.

Worum geht’s genau? Ich zitiere aus der Ankündigung für den Termin am 7. Juli:

Was ist privat im Internet und was nicht? Was bedeutet uns Privatsphäre? Wer entscheidet, was öffentlich sein muss und was nicht?

Es braucht informationstechnische Lösungen und einen ethischen Diskurs. Aus diesen beiden Blickpunkten diskutieren der Innovationsmanager Jan Henrik Ziesing und der Medienphilosoph Alexander Filipovic. In Film-Einspielern werden Ausschnitte aus Interviews mit der Politikerin Marina Weisband, dem Science Fiction-Autor Bruce Sterling, dem Soziologen Dirk Helbing, dem Netzaktivisten Markus Beckedahl, dem Journalisten Dirk von Gehlen und anderen gezeigt. Letztendlich ist das Publikum gefragt, Meinungen zu äußern und Ideen zu diskutieren: Wie weit wollen und sollen wir mit unserer digitalen Selbstdarstellung gehen?

Die Veranstaltungsreihe „REVOLUTION – Die Wissensshow zur Digitalen Gesellschaft“ findet im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2014  statt. Organisiert wird die Wissensshow von der Helmholtz-Gemeinschaft.

Medienethische Fragen zur digitalen Vermessung der Welt – Big-Data-Seminar an der HfPh

Diese Woche geht hier an der Hochschule für Philosophie der Vorlesungs- und Seminarbetrieb wieder los. Heute ist die erste Sitzung unseres Medienethik-Seminars „Big Data: Medienethische Fragen zur digitalen Vermessung der Welt“, das ich zusammen mit meinem Kollegen und Mitarbeiter Christopher Koska durchführe. Hier der Ankündigungstext:

Bereits 2008 hat die Anzahl der Gegenstände, die mit dem Internet verbunden sind, die Anzahl der Weltbevölkerung überschritten. 90% aller weltweit verfügbaren Daten sind nach einer Studie von IBM in den letzten zwei Jahren entstanden. 2015 soll es, laut einer Studie von Intel, doppelt so viele Netzwerkgeräte geben, wie Menschen auf der Erde. All diese Geräte erzeugen über ihre Sensoren und über die Menschen, die sie benutzen, eine unvorstellbar große Datenmenge (Big Data). IT-Konzerne, Regierungen, Behörden und Institutionen sammeln und analysieren diese Daten, erstellen Personenprofile, filtern, vermarkten oder verkaufen Informationen. Gegenstand des Seminars sind die öffentlichen und privaten, ökonomischen und staatlichen Interessen im Prozess der Etablierung von Big-Data-Technologien bzw. der Informationssuche/-beschaffung. Ziel ist es aktuelle Konflikte zu analysieren, Chancen und Herausforderungen kritisch zu hinterfragen und Kriterien für deren Beurteilung zu begründen.

Das Programm ist ganz wesentlich von Christopher Koska konzipiert worden, der ein medienethisches Forschungsprojekt (Dissertation) zu diesem Themenfeld in Angriff genommen hat. Weitere Informationen zum Programm bei Interesse direkt bei Christopher Koska. Hier die zwanzig wichtigsten Bücher zu Big-Data1 (alle in der Hochschul-Bibliothek vorhanden):

  • Angwin, Julia (2014): Dragnet Nation: A Quest for Privacy, Security, and Freedom in a World of Relentless Surveillance.
  • Bunz, Mercedes (2012): Die stille Revolution. Wie Algorithmen Wissen, Arbeit, Öffentlichkeit und Politik verändern, ohne dabei viel Lärm zu machen.
  • Davis, Kord (2012): Ethics of Big Data: Balancing Risk and Information.
  • Flusser, Vilem (2000): Ins Universum der technischen Bilder.
  • Geiselberger, Heinrich /Moorstedt, Tobias (Hrsg.) (2013): Big Data: Das neue Versprechen der Allwissenheit.
  • Grimm, Petra /Capurro, Rafael (Hrsg.) (2008): Informations- und Kommunikationsutopien.
  • Han, Byung-Chul (2013): Im Schwarm: Ansichten des Digitalen.
  • Krotz, Friedrich (Hrsg.) (2007): Mediatisierung: Fallstudien zum Wandel von Kommunikation.
  • Krotz, Friedrich /Hepp, Andreas (Hrsg.) (2012): Mediatisierte Welten: Forschungsfelder und Beschreibungsansätze.
  • Kuhlen, Rainer/ Semar, Wolfgang/ Strauch, Dietmar (Hrsg.) (2013): Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation: Handbuch zur Einführung in die Informationswissenschaft und -praxis.
  • Lanier, Jaron (2010): Gadget. Warum die Zukunft uns noch braucht.
  • Mainzer, Klaus (2014): Die Berechnung der Welt: Von der Weltformel zu Big Data.
  • Mayer-Schöneberger, Viktor /Cukier, Kenneth (2013): Big Data: Die Revolution, die unser Leben verändern wird
  • Morozov, Evgeny (2011): The net delusion : how not to liberate the world.
  • Morozov, Evgeny (2013): Smarte neue Welt: Digitale Technik und die Freiheit des Menschen.
  • Pariser, Eli (2012): Filter Bubble: Wie wir im Internet entmündigt werden.
  • Schmidt, Eric/ Cohen, Jared (2013): Die Vernetzung der Welt: Ein Blick in unsere Zukunft.
  • Stichler, N. Richard/ Hauptmann, Robert (Hrsg.) (2009): Ethics, Information and Technology: Readings.

Neben den Themenbereichen „Journalismus/Öffentlichkeit/Demokratie“ und „Unterhaltung und Medien“ ist der Bereich „Internet/Information/Digitale Technologie“ der dritte Schwerpunkt meiner Arbeit am Lehrstuhl für Medienethik.

  1. Ob das die 20 wichtigsten Bücher sind, weiß ich natürlich nicht und ist nur eine Formulierung für die Suchmaschinen – es sind ja noch nicht einmal genau 20… 😉 Aber aus der Fülle der jüngeren und jüngsten Literatur erschienen uns diese Titel als zentral und für das Seminar besonders geeignet.

Menschengerechte Demokratie. Das neue Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften

Eine schöne Aufgabe meiner Münsteraner Zeit (bis August 2013) war die Schriftleitertätigkeit beim Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften (vgl. auch den Wikipedia-Artikel). Durchaus eine herausfordernde Aufgabe, denn man hat immer zwei umfangreiche Bände in Vorbereitung, Druck oder Planung. In meiner Zeit am ICS in Münster mussten wir das Jahrbuch ziemlich umkrempeln und haben die Chance genutzt, das traditionsreiche Organ für heutige wissenschaftliche Publikationserfordernisse zu gestalten.

Das bedeutete neben der Einführung eines Peer-Review-Verfahrens vor allem, eine Online-Plattform zu schaffen und das Jahrbuch parallel zur Printausgabe auch online zu publizieren. In Zusammenarbeit mit der ULB Münster und mit Förderung durch die DFG ist uns das mit der Publikationssoftware OJS prima gelungen. Nicht nur werden unter www.jcsw.de die laufenden neuen Bände publiziert. Wir konnten auch alle bisher erschienenen Bände seit 1968 digitalisieren und so der (wissenschaftlichen) Öffentlichkeit für Recherchezwecke zur Verfügung stellen. Alles in allem ein zwar sehr zeitintensives, aber lohnendes Projekt.

Das neue Jahrbuch 54 (2013)

Das neue Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften hat den thematischen Schwerpunkt „Demokratie“. Der Band ist dem Münsteraner Sozialethiker und Soziologen Karl Gabriel zum 70. Geburtstag gewidmet.

Zusammen mit Anna Maria Riedl habe ich einen Literaturbericht (peer-reviewed) beigesteuert: Der Text mit dem Titel „Demokratie und Christliche Sozialethik. Demokratie als Thema der deutschsprachigen katholischen Sozialethik nach 1945 – ein Literaturüberblick“ verfolgt das Ziel, einen kritischen Überblick über Texte aus dem Bereich der katholischen Christlichen Sozialethik zum Thema Demokratie zu geben. Startpunkt ist im zweiten Kapitel die Suche der katholischen Kirche nach einem neuen Verhältnis zur Demokratie in der Nachkriegszeit. Im dritten Kapitel werden die christlich-sozialethischen Beiträge bis Mitte der 1960er Jahre behandelt, also bis zu den sozialen Umbrüchen der späten 60er Jahre und bis zu den unmittelbaren Impulsen des II. Vatikanums. Eine weitere Zäsur kann dann mit dem Zerfall des Ostblocks und dem Fall der Berliner Mauer ab Mitte bzw. Ende der 1980er Jahre gesetzt werden (viertes Kapitel). Im abschließenden Ausblick kommt der Text zu dem Ergebnis, dass es an einer expliziten ethisch-theoretischen Auseinandersetzung mit der Demokratie in der Christlichen Sozialethik mangelt.

Neben dem korrespondierenden Text meines Freundes und Kollegen Christian Polke („Protestantische Ethik und Demokratie. Ein deutschsprachiger Literaturbericht seit 1945„) gibt es ein paar weitere Highlights im Band:

Der Band kann über den Buchhandel (ISBN 978-3-402-10986-1    , Aschendorff Verlag) oder direkt beim Verlag bezogen werden. Die Texte werden 12 Monate nach Veröffentlichung dann frei online erreichbar sein (also ab 1.1.2015).

Medienethische Tagung zu „Echtheit, Wahrheit und Ehrlichkeit“ im Internet

[Anmerkung: Diesen Text habe ich als Pressemeldung für die angesprochene Tagung verfasst, die ich als Sprecher der FG KME in der DGPuK zusammen mit den Kollegen von der FG CVK vorbereitet habe . Zum Teil habe ich zitiert von www.netzwerk-medienethik.de und www.dgpuk.de]

Medienethische Tagung zu „Echtheit, Wahrheit und Ehrlichkeit“ im Internet

AuthenticityAn der Frage nach der „Echtheit, Wahrheit und Ehrlichkeit“ kommen wir im Zeitalter des Internets nicht mehr vorbei. Sie kennzeichnet die gesellschaftlichen Debatten um die Sozialen Netzwerke, das Leaking und die virtuellen Spielewelten. Es besteht großer Bedarf an politischer Gestaltung und ethischer Vergewisserung. Anonymität ist einerseits wünschenswert, andererseits in manchen Fällen rechtlich problematisch. Wie „echt“ sind Profile in Sozialen Netzwerken, wie kann die Wahrheit von Nachrichten überprüft werden und wie begegnen wir uns im Chat und in der Online Spielewelt? Ist da Platz für die Ethik, und wenn ja: Wie müssen die Normen und Werte dafür begründet und konkretisiert werden?

Die Tagung des Netzwerkes Medienethik fragt unter dem Titel „Echtheit, Wahrheit und Ehrlichkeit“ nach der ‘Authentizität’ in der computervermittelten Kommunikation (16-17. Februar 2012, Hochschule für Philosophie, München). Im Hinblick auf drängende Probleme, etwa Netzpolitik, Internet-Kompetenz und Datenschutz erörtern die Vorträge Bewertungsmaßstäbe der Authentizität und die Möglichkeit der Präsentation multipler Facetten des Selbst. „Trolling“ wird als Teil der sozialen Praxis in Online-Diskussionsräumen untersucht und die Hackerethik(en) mit der Frage nach dem Subjekt im Zeitalter digitaler Identität verbunden.

Theoretische und philosophische Ansätze, die etwa Authentizität und Wahrhaftigkeit in der computervermittelten Kommunikation grundlegend klären, werden mit praktischen Fragen, etwa der konkreten bildlichen Selbstoffenbarung im Netz verbunden. Spannende Konstellationen können erwartet werden, wenn die Philosophen Jean-Paul Sartre und Charles Taylor zu einer zeitgemäßen Internetethik „befragt“ und empirische Untersuchungen zu den Social Media als Kontrolleure und Manipulateure digitaler Wirklichkeiten präsentiert werden.

Die Jahrestagung des Netzwerkes Medienethik wird veranstaltet zusammen mit den DGPuK-Fachgruppen “Kommunikations- und Medienethik” und “Computervermittelte Kommunikation”. Alle weiteren Informationen zu Programm und Anmeldung finden Sie hier: http://www.netzwerk-medienethik.de/jahrestagung/Tagung2012.

Das 1997 gegründete „Netzwerk Medienethik“ hat sich zum Ziel gesetzt, die ethische Orientierung im Medienbereich zu fördern. Es verbindet in einer freien Arbeitsgemeinschaft Theoretiker (aus den Kommunikationswissenschaften, der Journalistik und der Praktischen Philosophie/Ethik) mit Praktikern (aus Berufsverbänden, Selbstkontrollgremien, Verlagen, öffentlich-rechtlichen und pivat-kommerziellen Rundfunkunternehmen). Die jeweils im Februar in München stattfindenden Jahrestagungen mit regelmäßig ca. 100 Teilnehmern stellen ein inzwischen bekanntes Gesprächsforum zu Fragen der Medienethik dar.

Inhaltlich wurde die Tagung vorbereitet von den Fachgruppen “Kommunikations- und Medienethik” und “Computervermittelte Kommunikation” der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK). Die DGPuK ist die Fachgesellschaft der Kommunikations- und Medienwissenschaft in Deutschland. Die Kommunikations- und Medienwissenschaft beschäftigt sich mit den sozialen Bedingungen, Folgen und Bedeutungen von medialer, öffentlicher und interpersonaler Kommunikation.

Freundschaft im Web 2.0

Verändert sich unser Begriff von Freundschaft im Neuen Netz? Am 12.06.2010 bin ich zu einem Vortrag und der Leitung einer Gesprächsrunde zum Thema “Freundschaft im Web 2.0″ in die Kath. Akademie München eingeladen. Bei der Tagung geht es um “Freundschaft – Band fürs Leben. Aktualität einer besonderen Beziehung“. Es verspricht ein interessantes Programm zu werden, bisher ist aber noch nichts veröffentlicht worden (ich habe nur einen Entwurf gesehen).

Nun zeichnet Freundschaft sich ja durch Ortlosigkeit aus: Wir haben eine Intuition, was das ist und das es etwas Gutes ist, aber das Bezeichnete lässt sich schwer fassen (vgl. die Studie von Silvia Bovenschen „Die Bewegungen der Freundschaft“) und verflüssigt sich im Moment des (theoretischen) Zugriffs. Bei Luhmann kann man lernen, dass es um einen sozialen Begriff von Zusammengehörigkeit ging und in diesem Sinne „Freundschaft“ eine doppelte Zielrichtung der Integration persönlicher wie auch sozialer Beziehungen hatte (hatte! – alles alteuropäische Semantik).Vgl. dazu die interessante Studie: Kersten, Catrin (2008): Orte der Freundschaft. Berlin: Kulturverl. Kadmos (Kaleidogramme, 22)

In der modernen differenzierten Gesellschaft verliert Freundschaft in mindestens sozialer Hinsicht sein integrierendes Moment, ohne aber dabei das soziale Moment überhaupt einzubüßen. Nähe, auch körperliche Nähe (auch Männer umarmen ja ihre Freunde und klopfen sich zum Zeichen, dass die Umarmung abzubrechen ist, einander kräftig auf die Schulter…), Beziehung, die Tendenz, Sachverhalte und Probleme persönlich zu verhandeln, die Akzeptanz einer bestimmten Verpflichtung im Rahmen einer Freundschaft usw. prägen nicht mehr die Ordnung der Gesellschaft, bleiben aber natürlich persönlich relevant und beruhen natürlich auf sozialen Konventionen, Traditionen, Geschichten und Überlieferungen.

Ob das alles auch im Neuen Netz gilt? Ich vermute schon. Die Erwartungen an Freundschaften werden sich zwar verändern (wie sie es schon immer getan haben), aber die Netzartigkeit der Freundschaft wird zunächst nichts daran ändern, dass es sich immer noch um Freundschaften handelt.

Aber das sind nur erste Überlegungen. Ich habe zwei Texte, die mir weiterhelfen. Vielleicht hat der ein oder andere ja noch einen Hinweis:

  • Schmidt, Jan-Hinrik; Hasebrink, Uwe; Paus-Hasebrink, Ingrid (Hg.) (2009): Heranwachsen mit dem Social Web. Zur Rolle von Web 2.0-Angeboten im Alltag von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Berlin: Vistas-Verl. (Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, 62), S. 268-277.
  • Schmidt, Jan-Hinrik (2009): Die Kinder von XING und ICQ. In: neue gespräche, H. 6, S. 14–17.

Medien, Technik und Bildung

Medien, Technik und BildungHeute kam mit der Post mein Belegexemplar des Buches „Medien, Technik und Bildung“ (hg. von Michael Wimmer,  Roland Reichenbach und Ludwig Pongratz; Verlagsseite, Amazon). Sehr interessante Beiträge versammeln sich hier, die vor allem medien- und bildungstheoretisch von Interesse sein können. Der Klappentext:

„Medien sind zu einem Thema geworden, das als inhaltliche Querdimension alle Sparten der Erziehungswissenschaft betrifft. So ist das Verhältnis zwischen Medien, Technik und Bildung einerseits zwar ein zentraler Bezugspunkt der erziehungswissenschaftlichen Diskussion. Andererseits bleiben aber dabei der Medienbegriff sowie sein innerer Zusammenhang mit dem Bildungsbegriff zumeist diffus und widersprüchlich. Das Konzept der »Medienkompetenz« als Antwort auf die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien erscheint deshalb unzureichend. Ziel dieses Bandes ist es, die Bedeutung der neuen Medientechnologien und ihre Herausforderungen für die Pädagogik zum Gegenstand der bildungsphilosophischen Analyse und Diskussion zu machen.

Trotz des aufgeklärten Bewusstseins über die Wichtigkeit und die Bedeutung der neuen Medien sind die bildungstheoretischen Implikationen bisher nur unzureichend bedacht worden. Die in diesem Band versammelten Beiträge nähern sich diesen Fragen in vier Zugängen, in denen jeweils verschiedene Relationen im Zentrum stehen: Medien und Technik, Medien und Bildung, Film und Bildung sowie Medien und Ethik.“

Der Band präsentiert die Beiträge der Herbsttagung der Kommission Bildungs- und Erziehungsphilosophie in der Sektion Allgemeine Erziehungswissenschaft der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Thema der Tagung: “Medien, Technik und Bildung” (1.-3.10.2007).

Mein Beitrag in dem Band (Filipović, Alexander (2009): Literacy und die Bedeutung gesellschaftlicher Beteiligung. Medien- und bildungsethische Überlegungen. In: Wimmer, Michael; Reichenbach, Roland, Pongratz, Ludwig (Hrsg.): Medien, Technik und Bildung. Paderborn: Schöningh (Schriftenreihe der Kommission Bildungs- und Erziehungsphilosophie der DGfE) S. 159-173) thematisiert die Bedeutung von Medien für die gesellschaftliche Inklusions- bzw. Exklusionsproblematik. Über eine Schärfung des Begriffs „literacy“ wird gezeigt, dass medien- und bildungsethische Überlegungen integriert werden können. Als normativer Schlüssel für beide Bereiche fungiert die Frage nach der Gerechtigkeit gesellschaftlicher Partizipation (Beteiligungsgerechtigkeit). Damit wird auch versucht, den Status der Medienethik als wissenschaftliche Disziplin zu klären und ihre interdisziplinären Anknüpfungspunkte aufzuzeigen. Weitere Informationen dazu hier.